Mit zwei Aktionen hat unsere Gruppe in diesem Monat einen Schwerpunkt auf den Kampf gegen Kinderehen gelegt.
Im SchlachthofKino präsentierte ai Soest am Sonntag, 14. Juni, den Spielfilm „Nawi – Dear Future Me“. Er thematisiert das Problem der Kinderehen in Kenia. Diese sind in dem ostafrikanischen Land zwar gesetzlich verboten, trotzdem werden noch immer viele Mädchen verheiratet, lange bevor sie volljährig sind. Das Festhalten an uralten Traditionen, patriarchalische Familienstrukturen und wirtschaftliche Not führen dazu, dass Mädchen in Ehen mit oft wesentlich älteren Männern gezwungen werden.
In Iran ist die Verheiratung von Mädchen ab 13 und von Jungen ab 15 Jahren gesetzlich erlaubt. Mit Zustimmung eines Gerichts ist sogar eine noch frühere Verheiratung möglich. Zudem können nach dem geltenden Strafrecht sogar Minderjährige hingerichtet werden.
Von 2017 bis ’22 wurden allein in diesem Land 184.000 Mädchen unter 15 Jahren verheiratet. Da nicht alle Ehen eingetragen werden, dürfte die Dunkelziffer noch viel höher liegen. Die Islamische Republik hat die UN-Kinderrechtskonvention nur mit Einschränkungen ratifiziert.
Beim „Kunterbunt-Quartier“ im Alten Schlachthof hatte unsere Gruppe am 20. und 21. Juni einen Stand aufgebaut, an dem ai-Aktive über das Problem der Kinderehen informierten und Unterschriften unter eine Amnesty-Petition, in dem Iran aufgefordert wird, die UN-Kinderrechtskonvention ohne Einschränkungen zu ratifizieren, um die staatlich legitimierte Praxis der Kinderehen zu beenden und die Verhängung der Todesstrafe gegen Minderjährige zu beenden.
Amnesty International betrachtet Kinderehen als schwere Menschenrechtsverletzung und setzt sich weltweit für die Rechte von Mädchen und Frauen ein. Amnesty fordert Regierungen auf, das Heiratsalter ausnahmslos auf 18 Jahre festzulegen, um frühe Schwangerschaften, den Verlust der Bildung und häusliche Gewalt zu verhindern.
Laut Schätzungen des Kinderhilfswerks UNICEF leben 650 Millionen Mädchen und Frauen auf der Welt, die vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet wurden. Eine Kinderehe beeinträchtigt häufig die Entwicklung eines Mädchens: Sie kann zu früher Schwangerschaft und damit zu einem Gesundheitsrisiko führen. Teenager-Mütter sterben häufiger an Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt als ältere Frauen. Eine frühe Heirat bedeutet oft auch das abrupte Ende der Kindheit, denn die junge Ehefrau geht nicht mehr zur Schule und trägt stattdessen die Verantwortung für einen Haushalt. Damit sind auch ihre späteren Arbeits- und Erwerbsmöglichkeiten eingeschränkt. Verheiratete Mädchen werden außerdem oft aus ihrem bisherigen sozialen Umfeld herausgerissen, sind zu Hause isoliert und damit auch einem höheren Risiko von häuslicher Gewalt ausgesetzt.


