„Splitter aus Licht“ ist ein aufwühlender Dokumentarfilm (Deutschland/ Ukraine 2025) von Mila Teshaieva und Marcus Lenz. In Kooperation mit dem SchlachthofKino präsentierte ihn unsere Gruppe am Sonntag, 18. Januar. Die gut besuchte Sondervorstellung beeindruckte die Gäste nachhaltig.
Drei Jahre lang begleitet „Splitter aus Licht“ Überlebende in Butscha: eine Schülerin, einen jungen Rechtsanwalt, eine Yogalehrerin und ein frisch verheiratetes Liebespaar. Die Wirren des Desasters in der Stadt und der weiter in der Ukraine wütende Krieg zertrümmern ihre Träume und Pläne. Sie wünschen sich nichts sehnlicher, als ihr Vorkriegsleben wieder aufzubauen. Sie tragen die Last des Traumas in sich und scheinen schier unlösbaren Aufgaben gegenüberzustehen. Dennoch zeigen sie Liebe, Hilfsbereitschaft und Solidarität. – Auch in der ganzen Gesellschaft werden die Wunden sichtbar. Wie verändert sich das Zusammenleben unter den Bedingungen eines aufgezwungenen Krieges?
Vor der Vorführung stellte unsere Gruppe den Rahmen vor, in dem wir diesen Film ausgewählt hatten:
Der Einsatz neuer Hyperschallraketen, massive Drohnenangriffe auf Wohnblocks, Krankenhäuser oder Kraftwerke. Stromausfälle, Eiseskälte. – Täglich gibt es neue Schreckensmeldungen aus der Ukraine. – Diese Nachrichten und Berichte tauchen aber seltener auf den ersten Seiten der Zeitungen und Internetportale auf. Denn immer neue Kriege, Konflikte und Bedrohungen bestimmen die Schlagzeilen.
Olivia Kortas, Korrespondentin der Wochenzeitung Die Zeit, berichtete vor einigen Tagen aus Kyjiw: Sie schreibt: „Wenn der Strom ausfällt, schaltet Viktoria oft die Taschenlampe ihres Handys ein und richtet das Licht auf die Decke ihres Schlafzimmers. Im Lichtkegel formt sie mit ihren Händen kleine Figuren. Das Schattenspiel beruhigt ihre Tochter Divia, zwei Monate alt.
Viktoria, eine 32-jährige Ingenieurin, die zum ersten Mal Mutter geworden ist, macht sich seit den massiven russischen Angriffe Sorgen. „Wenn die Heizung ausfällt, kann ich mit dem Baby hier nicht bleiben“, sagt sie. Dann würde sie mit Divia zu Verwandten in die Karpaten im Westen des Landes fliehen, rund zehn Stunden Autofahrt entfernt. Ihr Mann Dmytro müsste in Kyjiw bleiben. Der 39-Jährige arbeitet von der Hauptstadt aus für die Armee. Die junge Familie wäre zerrissen.“
Viele Menschen hätten sich schon vor dem Winter einen Plan zurechtgelegt, wohin sie fliehen würden, wenn die Heizungen kalt blieben. „Aber nicht jeder kann sich dasleisten, und nicht jeder ist mobil. Vor allem Alte und Kranke harren derzeit in kalten und dunklen Wohnungen aus“, schreibt Olivia Kortas.
Wer gezielt Zivilpersonen und zivile Infrastrukturen angreift, verstößt gegen das humanitäre Völkerrecht und begeht Kriegsverbrechen. Amnesty International ist die größte weltweit tätige Menschenrechtsorganisation. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 hat Amnesty Kriegsverbrechen und andere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht dokumentiert. Dazu gehören:
- gezielte Angriffe der russischen Streitkräfte auf Zivilpersonen und zivile Infrastrukturen
- anhaltende Menschenrechtsverletzungen in den von Russland besetzten Gebieten, dazu gehören auch Zwangsumsiedlungen
- Verschleppungen von Zivilistinnen, einschließlich Kindern
- willkürliche Inhaftierungen und Verschwindenlassen durch die russischen Streitkräfte und Besatzungstruppen
- Folter und andere Misshandlungen an zivilen Gefangenen und Kriegsgefangenen durch russische Streitkräfte
- Verweigerung eines fairen Verfahrens durch Russland sowohl für zivile Gefangene als auch für Kriegsgefangene
Der Film „Splitter aus Licht“ dokumentiert, wie der Krieg, wie Kriegsverbrechen, das Leben von Menschen in der Stadt Butscha erschüttern. Und wie sie trotzdem die Kraft finden, weiterzuleben, sich gegenseitig zu stützen.
Amnesty International geht es immer um die Opfer von Menschenrechtsverletzungen, um das Schicksal einzelner Menschen. Unsere Aufgabe ist es auch, ihnen ein Gesicht und eine Stimme zu geben. Die Präsentation von „Splitter aus Licht“ trägt dazu bei.
Unsere Appellbriefe schaffen Öffentlichkeit, erzeugen Druck auf die Verantwortlichen und zeigen den Opfern und ihren Familien, dass sie nicht vergessen sind. Wie laden sie deshalb herzlich ein, die beiden Briefe, die wir am Stand ausgelegt haben, zu unterschreiben. In beiden Fällen geht es um Menschenrechtsverteidiger auf von der von Russland annektierten Krim.
Die Position von Amnesty zu einem Ende des Krieges ist eindeutig: „Jede glaubwürdige Aussicht auf ein Ende des russischen Angriffskrieges ist willkommen. Ein dauerhaftes Ende der Kämpfe darf jedoch nicht um jeden Preis erreicht werden – vor allem dann nicht, wenn der Preis für das Schweigen der Waffen Amnestie und Straflosigkeit für die Angreifer wäre.
Die Menschenrechte und Gerechtigkeit für die Betroffenen müssen im Mittelpunkt eines Abkommens stehen. Alle anhaltenden Menschenrechtsverletzungen müssen sofort beendet werden und die Opfer müssen für ihr Leid entschädigt werden.
Russland muss unverzüglich alle Kinder zurückbringen, die von den russischen Streitkräften aus der Ukraine verschleppt wurden, und alle ukrainischen Gefangenen freilassen, die unrechtmäßig festgehalten werden und von denen man viele hat verschwinden lassen.“
Am Stand im Kino-Foyer informierte ai Soest über das Schicksal von zwei Aktivisten von der von Russland annektierten Krim.
Für Emir-Usein Kuku setzt sich unsere Gruppe bereits seit längerem ein.
Server Mustafayev ist ein Menschenrechtsverteidiger und leitendes Mitglied der Organisation Krim-Solidarität. Er sitzt in Haft, weil er sich für Freiheit und Demokratie eingesetzt hat.
Hier die Informationen zu den beiden Fällen und die Appellbriefe:
Emir-Usein Kuku ist ein Menschenrechtsaktivist von der Krim, die im März 2014 durch die Russische Föderation annektiert wurde. Nach der Annexion dokumentierte er Menschenrechtsverletzungen. Kuku wurde von Angehörigen des russischen Inlandsgeheimdienstes schikaniert. Seine Frau und seine Kinder wurden bedroht.
Freiheit für Emir-Usein Kuku und seine Mitangeklagten!
Im Februar 2016 wurde er von den russischen Behörden der „Mitgliedschaft in einer Terrororganisation“ beschuldigt und verhaftet. Am 12. November 2019 wurden er und seine Mitangeklagten auf Basis konstruierter Vorwürfe in Russland zu Haftstrafen zwischen 7 und 19 Jahren verurteilt. Emir-Usein Kuku sowie Muslim Aliev, Vadim Siruk und Enver Bekirov befinden sich immer noch in Haft. Ihre Mitverurteilten Arsen Dzhepparov und Refat Alimov wurden nach Verbüßung ihrer Haftstrafen aus der Haft entlassen.
Amnesty International betrachtet die vier weiterhin inhaftierten Männer als gewaltlose politische Gefangene, die freigelassen werden müssen.
Setzen Sie sich mit Amnesty International dafür ein, dass die Urteile gegen Emir-Usein Kuku und seine Mitverurteilten aufgehoben und die Männer sofort und bedingungslos freigelassen werden.
Absender
Ort, Datum
Prosecutor General of the
Russian Federation
Krasnov Igor Viktorovich
ul. Bolshaya Dmitrovka, 15a
Moscow, Russia, GSP-3
125993
RUSSISCHE FÖDERATION
Fax +7 (495) 987-58-41
Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt,
Emir-Usein Kuku ist ein Menschenrechtsaktivist von der Krim, die im März 2014
durch die Russische Föderation völkerrechtswidrig annektiert wurde. Nach der
Annexion dokumentierte er Menschenrechtsverletzungen. Kuku wurde von
Angehörigen des russischen Inlandsgeheimdienstes schikaniert. Seine Frau und seine
Kinder wurden bedroht.
Im Februar 2016 wurde er von den russischen Behörden der „Mitgliedschaft in einer
Terrororganisation“ beschuldigt und verhaftet. Am 12. November 2019 wurden er und
seine fünf Mitangeklagten auf Basis konstruierter Vorwürfe in Russland zu langen
Haftstrafen zwischen 7 und 19 Jahren verurteilt. Von den Verurteilten befinden sich
Emir-Usein Kuku, Muslim Aliev, Vadim Siruk und Enver Bekirov immer noch in Haft.
Amnesty International betrachtet die vier Männer als gewaltlose politische Gefangene.
Deshalb fordere ich,
- die umgehende und bedingungslose Freilassung von Emir-Usein Kuku, Muslim
Aliev, Vadim Siruk und Enver Bekirov. Stellen Sie sicher, dass die Urteile
aufgehoben werden, so dass die Männer nicht als vorbestraft gelten. - das Ende der Verfolgung von Angehörigen der krimtatarischen Gemeinschaft
auf der Krim und die Respektierung ihres Rechts auf Meinungsfreiheit.
Hochachtungsvoll,
Freiheit für Server Mustafayev !
Server Mustafayev ist ein Menschenrechtsverteidiger und leitendes Mitglied der Organisation Krim-Solidarität. Die Organisation unterstützt seit 2016 politisch und religiös verfolgte Menschen auf der russisch besetzten Krim und versucht über die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen dort zu informieren.
Im Frühjahr 2018 wurde Server Mustafayev wegen der „Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation“ angeklagt. In der Untersuchungshaft wurde er zeitweise unter so schlechten Bedingungen festgehalten, dass dies einer unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung gleichkam. Während des Prozesses wurde ihm eine notwendige medizinische Versorgung verweigert.
Im September 2020 wurde Server Mustafayev zu 14 Jahren Haft in einer Strafkolonie mit besonders strengen Sicherheitsmaßnahmen verurteilt – obwohl keine Beweise vorliegen, dass er eine international anerkannte Straftat begangen hat. Server Mustafayev ist ein gewaltloser politischer Gefangener.
Setzen Sie sich mit Amnesty International dafür ein, dass Server Mustafayev umgehend freigelassen wird.
Absender
Ort, Datum
Valeriy Georgievich Petrov
Chief Military Prosecutor
Pereulok Holzunova 14
Moscow 119021
RUSSISCHE FÖDERATION
Fax. +7 (495) 693-13-60
Emails: priemnaya@gvp.rsnet.ru und app@gvp.rsnet.ru
Sehr geehrter Herr Militärstaatsanwalt,
Server Mustafayev ist ein Menschenrechtsverteidiger und leitendes Mitglied der
Organisation Krim-Solidarität. Die Organisation unterstützt seit 2016 politisch und
religiös verfolgte Menschen auf der russisch besetzten Krim und versucht über die
anhaltenden Menschenrechtsverletzungen dort zu informieren.
Im Frühjahr 2018 wurde Server Mustafayev wegen der „Mitgliedschaft in einer
terroristischen Organisation“ angeklagt. In der Untersuchungshaft wurde er zeitweise
unter so schlechten Bedingungen festgehalten, dass dies einer unmenschlichen und
erniedrigenden Behandlung gleichkam. Während des Prozesses wurde ihm eine
notwendige medizinische Versorgung verweigert.
Im September 2020 wurde Server Mustafayev zu 14 Jahren Haft in einer Strafkolonie
mit besonders strengen Sicherheitsmaßnahmen verurteilt – obwohl keine Beweise
vorliegen, dass er eine international anerkannte Straftat begangen hat. Server
Mustafayev ist ein gewaltloser politischer Gefangener.
Deshalb fordere ich,
dass Server Mustafayev umgehend und bedingungslos freigelassen wird, da er allein
deshalb strafrechtlich verfolgt wird, weil er seine Menschenrechte wahrnimmt und die
Rechte anderer verteidigte.
Hochachtungsvoll
