Protest und Solidarität

Fast 1900 Protest- und Appellbriefe sind bei den Aktionen der Soester ai-Gruppe unterschrieben worden

Hunderttausende Menschen machen jedes Jahr beim Amnesty-Briefmarathon mit: Sie schreiben Briefe für Menschen in Not und Gefahr. 2018 waren es weltweit 5,9 Millionen Briefe – adressiert an Regierungen, um Unrecht zu beenden, und an bedrohte Menschen, um ihnen Solidarität zu zeigen.

Zu unrecht inhaftierte Menschen werden freigelassen, diskriminierende Gesetzestexte geändert und politische Aktivist_innen in ihrer Arbeit unterstützt: Die jährliche Aktion anlässlich des Internationalen Tags der Menschenrechte am 10. Dezember ist sehr erfolgreich.

Und die Soester ai-Gruppe war wieder mit mehreren Aktionen dabei:

Die „Hörzeit“ am Samstag, 7. Dezember, in der Petrikirche stand im Zeichen des Briefmarathons. Der Gospelchor „Magnificats“ gestaltete die besinnliche halbe Stunde zur samstäglichen Einkaufszeit. Pfarrer Dr. Christian Welck hatte adventliche Texte ausgewählt. Er machte die Besucherinnen und Besucher in der sehr gut besuchten Kirche auf den Briefmarathon und die Aktion von ai im Eingangsbereich aufmerksam.

ai-Aktive hatten vier Tische mit Info-Material und Appelbriefen aufgebaut. Viele „Hörzeit“-Gäste unterschrieben die Protestbriefe und nutzten die Gelegenheit, um sich mit ai-Aktiven über den Kampf für die Menschenrechte auszutauschen. Mit ihrer Unterschrift setzten sie sich für Menschen aus dem Iran, aus Nigeria, Kanada und China ein, deren Menschenrechte verletzt beziehungsweise bedroht werden, ein,

Im Bio-Laden „Lebensgarten“ hatte die Gruppe am 14. Dezember ebenfalls einen Stand aufgebaut. Auch hier baten Aktive aus der Gruppe um Unterschriften.

Bei diesen beiden Aktionen kamen rund 220 Briefe zusammen.

Das Conrad-von-Soest-Gymnasium beteiligte sich wieder am Briefmarathon an Schulen. In fünf SoWi-Kursen informierte Gruppensprecherin Ulla Gutsche über die Aktion. Die Jugendlichen  unterschrieben 406 Briefe und zeigten so Solidarität.

Besonders erfolgreich war der Einsatz der Schülervertretung am Städtischen Gymnasium Erwitte. Hier wurden 1250 Briefe an die ai-Zentrale in Berlin geschickt (siehe Bericht von der Schulhomepage).

1250 Briefe

Neuer Rekord: 1250 Protest- und Appellbriefe haben Schülerinnen und –Schüler des Städtischen Gymnasiums Erwitte beim Briefmarathon 2019 unterschrieben.

So dick war der Stapel noch nie. „Wir mussten kräftig nachkopieren“, berichten Jule Wiese und Darius Schulte-Eversum. Die beiden Schülersprecher hatten den Briefmarathon An der Schule organisiert. Zum 5. Mal hatte das Gymnasium an der weltweiten Aktion zum Tag der Menschenrechte teilgenommen. Und diesmal waren besonders viele Schülerinnen und Schüler bereit, sich mit ihrer Unterschrift für junge Menschen einzusetzen, die Opfer von Menschenrechtsverletzungen geworden sind oder die selber in Gefahr sind, weil sie sich für die fundamentalen Rechte aller Menschen engagieren.

Am 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte hatte die SV die Aktion gestartet: „Stellt euch vor, ihr werdet verhaftet, nur weil auf eurem Instagram-Account etwas steht, das der Regierung nicht passt. Stellt euch vor, ihr werdet zwangsverheiratet. Stellt euch vor, ihr dürftet nicht zur Schule gehen.“ – Sagen und schreiben können, was man denkt. Frei entscheiden, wie man leben möchte. Das Recht auf Bildung für alle. – Für uns Selbstverständlichkeiten. Für Menschen in vielen anderen Ländern ein Traum, oft ein lebensgefährlicher.

Jule und Darius hatten eindringliche Beispiele ausgewählt, um zu zeigen, was es bedeutet, wenn die Menschenrechte nicht geachtet werden. Am Tag der Menschenrechte hatten unsere Schülersprecher zu Unterrichtsbeginn ihre Mitschülerinnen und Mitschüler ab Klasse 9 in die Aula eingeladen, um sie zu motivieren, beim Briefmarathon an Schulen mitzumachen. „Wir wollen uns für die Menschenrechte einsetzen“, hatte Schulleiter Klaus Grothe zur Begrüßung unterstrichen.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) ruft jedes Jahr rund um den 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, dazu auf, in kurzer Zeit so viele Protestbriefe wie möglich zu unterschreiben. Ziel ist es, Solidarität mit Opfern von Menschenrechtsverletzungen zu zeigen, Öffentlichkeit herzustellen und so die Verantwortlichen unter Druck zu setzen. Amnesty lädt Schülerinnen und Schüler zu einem besonderen Briefmarathon ein. Dabei geht es immer um junge Menschen, die unter staatlicher Willkür oder Unterdrückung leiden oder von ihr bedroht werden. Fünf Fälle hatte AI dafür diesmal ausgesucht.

Fast 2000 Briefe aus sind in den vergangenen Jahren schon an die AI-Zentrale in Berlin weitergeleitet worden. Diesmal hatten die Schülersprecher die Idee, zum ersten Mal eine gemeinsame Auftaktveranstaltung zu organisieren. Offenbar eine sehr gute Idee. Denn in den Pausen war der Unterschriften-Stand dicht umlagert. Zusätzlich klopften SV-Mitglieder in diesen Tagen an die Türen der Kursräume und baten um Unterstützung. Mit Erfolg: 1250 Briefe sind ein neuer Spitzenwert. Das Paket ist jetzt auf dem Weg zur Amnesty-Zentrale in Berlin. Von dort werden die Briefe an die Adressaten weitergeschickt.

„Wir dürfen nicht wegschauen“, ist Darius Schulte-Eversum überzeugt. Und Protest wirkt. So wurde der Blogger Mahadine aus dem afrikanischen Land Tschad freigelassen, nachdem Jugendliche beim Briefmarathon massenhaft gegen seine Inhaftierung protestiert hatten. Im Gefängnis saß Mahadine übrigens nur, weil er die Politik der Regierung kritisiert hatte. (huk)

 

 

22. Dezember 2019